Die Stadt Linz hat 2024 eine umfassende Kartierung von Wiesenflächen beauftragt – mit erfreulichen und zugleich alarmierenden Ergebnissen: Zahlreiche artenreiche Biotope wurden identifiziert, darunter auch Lebensräume mit Vorkommen bedrohter Pflanzenarten. Sehr artenreiche Flächen verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit: Sie sind nicht nur Rückzugsorte für Insekten, Vögel und Kleintiere, sondern leisten auch einen Beitrag zum Klimaschutz, zur Wasserspeicherung und zur Verschönerung des Stadtbildes.
„Bunte Wiesen sind weit mehr als nur schön anzusehen. Sie sind lebendige Inseln der Artenvielfalt mitten in der Stadt – und ein natürlicher Beitrag gegen die Klimaerhitzung. Deshalb setzen wir auf gezielte Pflege statt ständigen Rasenschnitt. Die Ergebnisse der Kartierung zeigen deutlich: Wir haben in Linz wertvolle Naturjuwele, die es zu erhalten gilt,“ betont Klimastadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
Das renommierte Institut EcoForschungsunternehmen E.C.O. – Institut für Ökologie aus Klagenfurt untersuchte insgesamt 475 Hektar Wiesen und Bachbegleitgrün im Stadtgebiet. In 321 Teilflächen und 134 Biotopen wurden die Vegetation kartiert, Gefährdungen bewertet und konkrete Pflegeempfehlungen formuliert. In 37 sogenannten Potenzialbiotopen sollen durch gezielte Anpassungen in der Pflege die Artenvielfalt deutlich gesteigert werden. Besonders gefährdete FFH-Lebensraumtypen, die durch die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der EU nach EU-Richtliniegeschützt werden, wurden auf 73,5 Hektar kartiert:
Insgesamt wurden über 320 verschiedene Gefäßpflanzenarten dokumentiert, darunter 51 Arten der Roten Liste Oberösterreichs – etwa die Kornrade (Agrostemma githago) oder die Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), die österreichweit als vom Aussterben bedroht gelten. Ebenso fanden sich stark gefährdete Arten wie der Kriechende Hauhechel (Ononis repens) und der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium). Auch seltene Wiesenarten wie Zittergras (Briza media), Aufrechte Trespe (Bromus erectus) oder Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe) wurden festgestellt.
Besonders wertvolle Standorte befinden sich im Stadtgebiet entlang der Hochwasser-Schutzdämme, am Segelflugplatz (artenreiche Magerwiesen mit geringer Nutzung), der Waldlehrpfad Auhof und Kreuzweg Ebelsberg (Lebensräume für die seltenen Wiesenknopf-Ameisenbläulinge) sowie im Ziegeleipark, Arboretum und Harbachpark (strukturreiche, extensiv gepflegte Wiesen mit hoher ökologischer Bedeutung).
Ein zentrales Ergebnis: Die Art der Pflege entscheidet über den ökologischen Wert. Häufig gemähte und gedüngte Rasenflächen bieten kaum Lebensraum. Extensiv genutzte Wiesen, die nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden, ermöglichen eine vielfältige Pflanzenentwicklung, besonders auf mageren Standorten wie den Traun-Donau-Dämmen.
Schobesberger betont: „Die Pflege macht den Unterschied. Mit einfachen Mitteln können wir kostengünstig, klimafreundlich und naturnah Stadtgrün gestalten – ein Gewinn für alle Linzer:innen und die Artenvielfalt.“
Mit den nur vorliegenden Ergebnissen und Pflegeplänen kann die Stadt gezielt in den Erhalt und die Förderung besonders wertvoller Flächen investieren. Ziel ist es, Linz als blühende, lebenswerte Stadt mit hoher biologischer Vielfalt weiterzuentwickeln – ganz im Sinne einer klimaangepassten, nachhaltigen Stadtgestaltung.
Text- und Fotoquelle: Stadt Linz