Junge Männer, altes Denken: Online-Communities, Influencer und Plattformen, in denen problematische Vorstellungen von Männlichkeit und frauenfeindliche Narrative geschürt werden, sind eine ernsthafte Gefahr, das Weltbild junger Männer zu verzerren und toxische Männlichkeit zu fördern. „Auf diese bedenkliche Entwicklung muss auf allen Ebenen umfassend reagiert werden, damit insbesondere junge Männer sich der Gefahren der sogenannten ‚Manosphere‘ bewusst werden. Daher stellt sich die Frage, was die Stadt Linz im Bereich der Burschenarbeit und der Prävention problematischer Männlichkeitsnormen unternimmt und welche Angebote, Strukturen und Ressourcen aktuell bestehen“, stellt Gemeinderat Tobias Reder eine entsprechende Anfrage an den Bürgermeister.
Längst ist die sogenannte „Manosphere“ kein Nischenphänomen mehr, sondern greift insbesondere auf Social-Media-Plattformen immer weiter um sich. Dabei sind bei der Vermittlung eines höchstproblematischen Bildes von angeblicher Männlichkeit, antifeministische Positionen und eine Abwertung jeglicher Gleichstellungsbemühungen nur die Spitze des Eisbergs. Einige dieser Influencer predigen sogar davon, dass sich Männer ihre Macht zurückholen sollen, und das Ziel eine unterwürfige Frau ist, die ihren Mann fürchtet.
„Derartige Behauptungen gelangen zu immer mehr Verbreitung unter jungen Männern und sind, gepaart mit einer zunehmenden Orientierungslosigkeit bei jungen Menschen, eine explosive Mischung. Der beste Weg, um diesem Phänomen wirkungsvoll zu begegnen und einen wesentlichen Beitrag zur Prävention von Gewalt, Radikalisierung und sozialem Rückzug leisten zu können, ist qualitätsvolle Burschenarbeit, Medienkompetenzvermittlung, sowie niederschwellige Beratungsangebote“, verweist Reder auf diesbezügliche Studien sowie Praxisberichte aus der Jugendarbeit.
Daher wollen wir in unserer Anfrage unter anderem wissen, welche Stellen bzw. Abteilungen der Stadt sich mit aktuell mit den Themen Burschenarbeit, geschlechtersensibler Jugendarbeit, Gewaltprävention und Medienkompetenz für junge Männer beschäftigen und inwieweit eine Zusammenarbeit mit Schulen, außerschulischer Jugendarbeit oder externenr Trägerorganisationen erfolgt. Ebenfalls unklar und daher Teil der Anfrage ist, welche Angebote in Linz explizit problematische Inhalte und Dynamiken in sozialen Medien in Zusammenhang mit Männlichkeitsbildern thematisieren und wie viele junge Männer in den vergangenen Jahren durch die Präventions- und Aufklärungsangebot der Stadt erreicht werden konnten.
„In Zeiten, in denen Gewalt von Männern gegen Frauen Alltagsrealität ist und wir alleine in diesem Jahr bereits acht Femizide betrauern mussten, muss alles unternommen werden, damit junge Männer nicht problematischen, frauenverachtenden Influencern nacheifern und die nötigen Burschenarbeits- und Präventionsangebote zur Verfügung stehen“, betont Reder.