Bei mehreren der Gewalttaten, die Linz in den vergangenen Wochen erschüttert haben, dürften psychische Erkrankungen der Täter eine zentrale Rolle gespielt haben. „Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse stellt sich die Frage, inwieweit bestehende Versorgungsstrukturen teilweise an ihre Grenzen stoßen. Daher ist es nötig, neue Wege einzuschlagen, aufsuchende Angebote, die zu den Betroffenen nach Hause kommen, auszubauen sowie bestehende Strukturen stärker zu vernetzen, damit Patient:innen die bestmögliche Unterstützung und Begleitung erhalten“, sieht Gemeinderat Tobias Reder Verbesserungsbedarf. Im Gemeinderat setzt sich der Gesundheitssprecher der Grünen Linz daher dafür ein, sich am Hamburger Modell zu orientieren, das hier mit gutem Beispiel vorangeht.
Mit dem „Hamburger Psychiatrieplan“ ist ein Ansatz entwickelt worden, der durch eine stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Hilfssysteme eine wohnortnahe Versorgung sowie durch aufsuchende Angebote eine kontinuierliche Betreuung sicherstellen soll. „Die Idee ist, dass die Patient:innen sich nicht ständig aktiv um die Nachsorge kümmern müssen, sondern von einem Team aus Ärzt:innen, Psycholog:innen, Pfleger:innen und Sozialarbeiter:innen betreut werden und mit ihnen bei Bedarf in ständigem Austausch sind“, informiert Reder über die Vorteile des Hamburger Modells.
Berichten zufolge hat sich gezeigt, dass dieser Ansatz erfolgsversprechend ist, Betroffene, die auf diese Weise behandelt worden sind, weniger Symptome zeigen und die Zahl der Krankenhaustage rückläufig gewesen ist.
„Die vergangenen Wochen haben deutlich gemacht, dass wir bei psychischen Erkrankungen genauer hinsehen müssen und uns ansehen sollten, was wir von anderen Städten lernen können“, ist Reder überzeugt. Um Verbesserungen anzustoßen, soll der Gemeinderat die zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander sowie den für Soziales verantwortlichen Landesrat Christian Dörfel ersuchen, in Abstimmung mit der Bundesregierung ein Pilotprojekt nach Hamburger Vorbild zu initiieren und die nötige Finanzierung sicherzustellen.
Dabei soll insbesondere geprüft werden, wie bestehende Angebote besser vernetzt, niederschwellige und aufsuchende Unterstützungsformen gestärkt sowie eine koordinierte Betreuung von Personen mit komplexem Hilfebedarf gewährleistet werden kann. „Die bestmögliche Behandlung und Betreuung psychisch beeinträchtigter Personen ist im Interesse der gesamten Gesellschaft und daher ein wichtiges Anliegen“, betont Reder.